Verbesserung der Sicherheit auf dem Markt für Hubarbeitsbühnen

10 Juli 2026

Im Jahr 2025 meldete die IPAF (International Powered Access Federation) in ihrem Global Safety Report 100 Todesfälle im Zusammenhang mit motorisierten Arbeitsbühnen. Zwar entwickeln sich die Sicherheitskennzahlen positiv, doch jeder Sicherheitsvorfall ist einer zu viel.
 

Rik Vanwildemeersch (Market Management Specialist) und Gunther Vanreckem (Associate Category Manager) erörtern, wie sich die Branche für Hubarbeitsbühnen weiterentwickelt und wie sie auf Sicherheitsbedenken eingeht.

ÜBER DIE EXPERTEN

Rik Vanwildemeersch

Rik Vanwildemeersch

ist Market Management Specialist bei TVH für Hubarbeitsbühnen. Er beobachtet und analysiert den Markt, um unser Sortiment an Ersatzteilen für dieses Marktsegment zu erweitern. Seit seinem Eintritt in das Unternehmen im Jahr 2004 war Rik in verschiedenen Abteilungen tätig und hatte Positionen vom E-Commerce Advisor über External Sales Support bis hin zum Product Manager Coordinator inne. Dank dieser umfassenden Erfahrung kennt er TVH und die Hubarbeitsbühnenbranche in- und auswendig.

Gunther Vanreckem

Gunther Vanreckem

ist bei TVH als Associate Category Manager für MRO-Artikel (Wartung, Reparatur und Betrieb) tätig. Er begann seine Laufbahn bei TVH 2013 als Produkteinkäufer und erwarb
umfassende Fachkenntnisse im Bereich PSA (Persönliche Schutzausrüstung). Im Jahr 2024 wurde Gunther zum Associate Category Manager ernannt.

DER MARKT UND DIE TRENDS

Betrachten wir zunächst einmal das Gesamtbild. Was sind die größten Veränderungen oder Trends, die Ihnen im Bereich der Sicherheit bei Hubarbeitsbühnen aufgefallen sind?

Rik: Wenn man sich die technologischen Entwicklungen des Originalgeräts ansieht, würde ich nicht sagen, dass sich viel geändert hat. Die Erstausrüster halten sich an die verschiedenen international vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften. Es hat jedoch eine Verschiebung im Größenbereich gegeben; wir sprechen nicht mehr nur von 5 oder 10 Meter hohen Arbeitsbühnen. In den letzten Jahren sind sogenannte Ultra-Booms auf den Markt gekommen, die mittlerweile Höhen von bis zu 80 Metern erreichen. Diese Zunahme geht mit einer höheren Komplexität einher, wodurch eine gründliche Schulung und Zertifizierung durch Einrichtungen wie die IPAF noch wichtiger wird. Der jüngste Global Safety Report der IPAF weist zudem auf eine Verschiebung in der Unfallstatistik hin. Unfälle durch Einklemmen treten mittlerweile immer häufiger auf.

Gunther: Diese Vorfälle, bei denen Personen eingeklemmt wurden, zwingen den Markt zu Innovationen, insbesondere im Hinblick auf aktive Sicherheitsmechanismen rund um die Arbeitsbühne. Genau hier sehen wir, dass echte Innovationen stattfinden. Drittanbieter und Hersteller entwickeln Sicherheitslösungen wie Einklemmschutzvorrichtungen und Systeme wie „Harness ON™“, um nur einige zu nennen.
 

Rik: Letztendlich geht es bei der Sicherheit um Verantwortlichkeit. Betriebsbereitschaft und Produktivität sind eine Sache, doch ein Menschenleben ist unersetzlich. Als Unternehmen stellen wir die Ausrüstung bereit, die jeder benötigt, um sich zu schützen, und wir möchten sicherstellen, dass jeder Bediener, der morgens seine Arbeit aufnimmt, abends sicher wieder zurückkehrt.

SICHERHEIT UND MENSCHLICHES VERHALTEN

Trotz besserer Technologie und strengerer Vorschriften kommt es nach wie vor zu Unfällen. Was sind Ihrer Erfahrung nach vor Ort die häufigsten Sicherheitsversäumnisse, die bei Arbeiten in der Höhe auftreten?

Gunther: Schutzgeländer vermitteln den Bedienern ein falsches Gefühl der Sicherheit, sobald sie die Plattform betreten. Dies führt häufig dazu, dass die Bediener einen Sicherheitsgurt lediglich zur Show tragen, ohne dass die Sicherheitsleine tatsächlich am Verankerungspunkt der Plattform befestigt ist. Die Menschen vergessen, dass der Arbeitskäfig keinen Schutz vor den physikalischen Kräften bietet, die einen Bediener aus der Plattform schleudern können. Das Gleiche gilt für das Fahren in der Höhe. Eine kleine Unebenheit oder ein Bordstein kann eine Person aufgrund der Hebelwirkung des ausgefahrenen Mastes gewaltsam aus dem Käfig katapultieren.
 

Auch bei geringen Höhen verlassen sich die Menschen zu sehr auf stoßdämpfende Sicherheitsleinen. In der Praxis ist die Gesamtlänge solcher Sicherheitsleinen im ausgestreckten Zustand oft größer als die tatsächliche Höhe, in der die Arbeiten ausgeführt werden. Das bedeutet, dass der Arbeiter im Falle eines Sturzes dennoch auf den Boden aufschlagen wird. Und schließlich scheint es auch so zu sein, dass Beschädigungen an Sicherheitsleinen sowie unbemerkter Verschleiß die Wirksamkeit zertifizierter Ausrüstungen beeinträchtigen.

Häufig wird darüber diskutiert, wer die Verantwortung trägt. Geht es bei der Sicherheit in erster Linie um eine bessere Schulung der Bediener oder um die richtige Ausrüstung?

Rik: Bei der Sicherheit in der Höhe geht es nicht darum, sich zwischen Schulung und Ausrüstung zu entscheiden; beide Elemente müssen sich gegenseitig ergänzen. Eine hochwertige Ausrüstung ist unerlässlich, um menschliche Fehler physisch zu minimieren und zu verhindern, dass Bediener wichtige Verfahren bewusst oder unbewusst umgehen. Gleichzeitig ist die Ausrüstung nutzlos, wenn der Bediener nicht entsprechend geschult wurde.
 

Gunther: Die IPAF-PAL-Karte (Powered Access Licence) belegt, dass Sie für die Bedienung von Hubarbeitsbühnen, Mastkletterbühnen und Bauaufzügen geschult und zertifiziert sind. Mit dieser Zulassung wissen Sie genau, wie Sie Risiken bewerten und Materialien prüfen müssen. Die richtige Ausrüstung schützt vor betrieblichen und rechtlichen Risiken, während Schulungen sicherstellen, dass der Bediener die Maschine und die persönliche Schutzausrüstung sachgemäß einsetzt.

Rote Scherenbühne mit einem in Sicherheitskleidung gekleideten Mitarbeiter, der Wartungsarbeiten im Lager entlang einer industriellen Laderampe durchführt; das Bild zeigt Höhenzugangsgeräte und sichere Arbeitsbedingungen.

DIE ARESTA-PARTNERSCHAFT

TVH hat kürzlich eine Produktpartnerschaft mit Aresta bekannt gegeben, einem Premium-Anbieter von Sicherheitsgurten und Schutzausrüstung speziell für Nutzer von Hubarbeitsbühnen. Wie ist der Deal zustande gekommen?

Gunther: Die Partnerschaft mit Aresta ist das Ergebnis einer umfassenden Vergleichsanalyse, die TVH vor einigen Jahren durchgeführt hat und in deren Rahmen wir zahlreiche Hersteller hinsichtlich ihrer Qualität, Zuverlässigkeit und ihres Preises kritisch bewertet haben. Wir haben uns bewusst für einen etablierten Spezialisten entschieden, der sich ausschließlich auf den Bereich Absturzsicherung konzentriert.
 

Rik: Aresta arbeitet seit Jahren mit großen Vermietungsunternehmen zusammen. Es handelt sich um eine etablierte Marke mit mehr als 20 Jahren Erfahrung und Fachleuten, die mit allen Vorschriften bestens vertraut sind. Aus diesem Grund setzen wir nun ausschließlich auf Aresta für alle Absturzsicherungsmaßnahmen an Hubarbeitsbühnen.

Wodurch unterscheidet sich Aresta von anderen Sicherheitsgurten?

Rik: Abgesehen von der Qualität ist der Preis für Aresta-Produkte im Vergleich zu anderen Premium-Marken wirklich günstig.
 

Gunther: Auf jeden Fall! Zudem können die Kunden zwischen einzelnen Zubehörteilen oder kompletten Sets wählen, sodass sie sofort loslegen können. Diese Sets enthalten den Gurt, die Schäkel und das Sicherungsseil – im Grunde alles, was Sie benötigen. Sie lassen sich zudem perfekt mit dem Harness ON™-System kombinieren. Aresta zeichnet sich auf dem Markt dadurch aus, dass das Unternehmen eine hervorragende Balance zwischen zertifizierter Sicherheit und Komfort im Alltag bietet. Obwohl die Gurte die strengsten europäischen Normen erfüllen, wiegen sie kaum mehr als ein Leichtgewichtgurt. Das Design des Gurts ist so ausgelegt, dass die Aufprallkraft bei einem möglichen Sturz nicht im Schrittbereich absorbiert wird. Stattdessen wird die Kraft über eine
spezielle dreieckige Struktur auf den Rücken verteilt, wodurch das Verletzungsrisiko erheblich verringert wird.

EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT

Wenn Sie einen weit verbreiteten Irrglauben über die Sicherheit von Hubarbeitsbühnen oder über persönliche Schutzausrüstung (PSA) ausräumen könnten, der in der Branche bis heute fortbesteht, welcher wäre das?

Gunther: Wie ich bereits erwähnt habe, herrscht nach wie vor die weit verbreitete Annahme, dass die physische Konstruktion der Hubarbeitsbühne allein bereits ausreichenden Schutz bietet. Zu viele Bediener gehen davon aus, dass sie sicher sind, nur weil sie sich innerhalb der Schutzgeländer der Hubarbeitsbühne befinden.
 

Rik: Das ist in der Tat richtig. Viele Menschenleben könnten allein durch das Tragen der richtigen PSA gerettet werden.

Beim Blick auf die nächsten 5 Jahre: Was wird Ihrer Meinung nach der nächste große Meilenstein im Bereich der Sicherheit von Hubarbeitsbühnen sein? Wie stellt sich unser Unternehmen auf, um bei dieser Entwicklung eine Vorreiterrolle zu übernehmen?

Rik: TVH möchte sich weiterhin auf universelle Innovationen im Bereich der Maschinenperipherie konzentrieren. Wir möchten mit internationalen Spezialisten zusammenarbeiten und in markenunabhängige Schutzausrüstung investieren. Unser Ziel ist es, jeden Bediener und jedes Arbeitsumfeld zu schützen. Wir streben eine Philosophie der offenen Innovation an, die die gesamte Branche der Hubarbeitsbühnen strukturell sicherer macht.
 

Gunther: Und wenn wir uns die Daten der IPAF ansehen, sollten wir unser Augenmerk auch auf die Verhinderung der schnell steigenden Zahl von Unfällen durch Einklemmen richten. Diese Kategorie nähert sich in den Statistiken mittlerweile dem Ausmaß herkömmlicher Unfälle durch Stürze an.

ÜBER DIE AUTOREN

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